Diskussionsvermeider

Photo: Der Erste Diskussionsvermeider Photo: Standard Diskussionsvermeider

Links: Erster noch handgefeilter Diskussionsvermeider
Rechts: Der aktuelle normierte Diskussionsvermeider

Kommandotool, Sicherheits-Götze, Diskussionsvermeider oder einfach Radien- und Dicken-Lehre für Fechtregeln, aber auch Bieröffner, dies sind alles Bezeichnungen für ein und denselben kleinen Helfer.

Entwickelt habe ich ihn, um auf Märkten die Blechstärke von Helmen zu messen, als ich mit meiner Flickschmiede-Darstellung unterwegs war. Später habe ich für unser Fechttreffen die Radien haben wollen, da das Kleingeld, mit dem wir sonst gemessen haben, immer mit der Feile ganz unten in meiner Tasche versunken waren.

Benutzt habe ich dieses Werkzeug, um meine eigenen Waffen entsprechend den Regeln zu modifizieren oder wenn eine Diskussion entbrannt ist, um diese zu klären oder zu beenden.

Grundsätzlich ist bei uns jeder selbst für die Waffen verantwortlich und sie werden von jedem eigenständig vor und besonders auch nach jedem Kampf kontrolliert. Auf Märkte schauen wir vor dem Training unsere Waffen gegenseitig noch mal nach, denn jeder kann mal etwas vergessen. Beim eigentlichen Waffencheck eines Veranstalters sollen Anmerkungen nicht mehr vorkommen.

Dieses Werkzeug ist nicht als Kontrollwerkzeug gedacht. Die Veranstalter eines Trainings, die Trainingspartner schauen mit ihrem Augenmaß und entscheiden nach ihren Regeln und ihrem Ermessen. Das Wort des Veranstalters ist bindend, es ist sein Platz und seine Regel. Als Veranstalter kann das Werkzeug benutzt werden, um eine sinnlose Diskussion zu beenden oder um zu zeigen, wie eine Waffe aussehen sollte, also weniger als Messwerkzeug, sondern mehr als Unterstrich unter dem eigenen Wort.

Bisher habe ich dieses Werkzeug ausschließlich verschenkt, und zwar an Menschen, die mir gezeigt haben, dass sie die Sicherheitsregeln einhalten wollen und dies auch tun, an jene, die sich auch bei anderen einsetzen für das Einhalten von Sicherheitsstandards.

Wie das Werkzeug aufgebaut ist

Technische Zeichnung: Diskussionsvermeider

Den 8 mm Radius am Kopf und unterhalb des Kopfes benutze ich für Speerspitzen. Das Regelwerk sieht oft eine Fläche von 1 cm² vor. Ich bevorzuge größere Flächen, mindestens 2 cm2. Dies nicht zuletzt auch, weil eine Verdopplung der Fläche eine Halbierung des Aufschlagdrucks bedeutet und damit mehr Freiheit für mich.

Die 10 mm Radien unten sind für alle Radien an Schwertern, Äxten, Dolchen ….

Der 3 mm Radius dazwischen zeigt, wie eine Schneide im Querschnitt eigentlich abgerundet sein soll.

Die Einschnitte hinten haben definierte Breite um Bleche und Schneiden dicken zu messen in den Stufen 1, 1.5, 2 und 3 mm, je nach Regelwerk ist 2-3 mm Pflicht. Auch hier bevorzuge ich dickere, da auch hier eine Vergrößerung der Fläche weniger Aufschlagdruck bedeutet und damit mehr Fehlertoleranz für mich.

Die zwischen den Einschnitten entstandenen Zinken haben eine definierte Dicke von 1.5, 2 und 3 mm. Diese Maße sind eine rein ästhetische Entscheidung, können aber genutzt werden, um die Dicken zu vergleichen.

Der Rückenbogen existiert einfach nur aus ästhetischen Gründen, damit es mehr wie eine Figur aussieht.

Die Werkzeuge sind aus C60, damit sie nicht verformt werden, auch wenn damit eine Flasche geöffnet wird oder mal wieder einer erklären will, dass seine Waffe doch sicher da reinpasst. (Was übrigens nicht erstrebenswert ist, da das bedeutet, dass sie nicht den Regeln entspricht 🙂 )

Das Werkzeug ist eine Lehre. Lehren haben die Funktion auf einfache weise die Vorgabe maßen durch Übereinstimmung zu prüfen. Dabei wird zumeist die Lehre an das zu prüfende Objekt gehalten und geschaut, ob es klemmt oder ob eine Distanz, zum Beispiel durch einen Lichtspalt sichtbar wird. Ihre Anwendung birgt im Gegensatz zu Messverfahren kaum Fehlerquellen und liefert eine eindeutige Aussage (Gut oder Ausschuss). Siehe auch: Wikipedia: Lehre (Technik) Mit einer Lehre wird also nach Übereinstimmung oder Passung geschaut.

Das heißt, wenn überprüft werden soll, ob eine Waffe etwa die erforderlichen 3 mm hat, wird das Werkzeug mit leichtem Druck über die Klinge geführt und dabei geschaut, ob sie in die Öffnung hinein passt. Wenn die Schneide hineinpasst, ist sie schmaler als 3 mm und entspricht damit nicht der erforderlichen Dicke. Es sollten nicht nur die Schneiden überprüft werden, sondern alle Kanten. Die Dicke allein ist nicht entscheidend, wenn sie scharfe Kanten hat, ist das ebenso problematisch. Siehe auch hier.

Ebenso geht es mit dem Radius, wenn die Waffe in den Radius hineinpasst, hat die Waffe nicht den erforderlichen Radius und sind damit nicht regelkonform.

Seit ich die Schablonen vor einigen Jahren herstellte, habe ich immer wieder festgestellt, dass Waffen nicht den Regeln entsprechen, auch meine eigenen nicht. Immer wieder habe ich meine eigenen neuen und auch die alten Waffen angepasst und verändert und mir selbst welche gebaut, damit sie den Regeln entsprechen.

Menschen können Flächen nicht schätzen, somit sind Flächenschätzungen immer fehlerbehaftet. Die meisten Menschen haben kaum Erfahrung darin Dicken zu schätzen, deshalb habe ich für mich angefangen zu messen.

Erfahrungsgemäß entsprechen auf vielen Veranstaltungen bezogen auf Dicke und Radien 30-60 % nicht den Regeln. Bezogen auf die Stichfläche entsprechen noch mehr nicht den Regeln. Auch daraus ergibt sich, dass viele gar nicht wissen, wie die Regeln umgesetzt aussehen. Gelegentlich gibt es auch ästhetische Bedenken - darauf, wünsche ich nicht weiter einzugehen. (dafür habe ich Repliken, die ich nicht zum Kämpfen verwende)

Alle nicht Regelkonformen vom Platz zu schicken, ist bei so viel Abweichung von der Norm (Regel) keine Lösung. Deshalb habe ich angefangen, das Werkzeug weiterzugeben, an diejenigen, die auch ihre Waffen überprüfen, und hoffe, dass sich das positiv weiterentwickelt und jeder bei sich selbst beginnt.

Wenn ich Waffen prüfe, habe ich für mich eine Toleranz im Kopf und gebe Hinweise darauf, wie die Radien eigentlich sind und bitte bis zum nächsten Mal um Änderung. (Ich habe den Luxus, mir das meist auch gut merken zu können.) Was nicht in die Toleranz passt, lasse ich austauschen, zur Not mit eigenen Waffen.

Es mag ein langer Weg sein, bis alle Waffen den Regeln entsprechen, aber warum Regeln aufstellen, wenn sie nicht von allen gleich eingehalten werden sollen?

Der Sicherheits-Götze ist ein heiliger Fetisch, der seine Kraft durch das Bestreichen der Klinge überträgt. Deshalb wird er vor dem Kampf benutzt, um die Kraft auf die Waffen zu übertragen, um für Sicherheit zu beten. Alle, die einen bei sich tragen, habe damit auch die Kraft des Sicherheits-Götzen in sich. Sie sind stärker, schneller und geschickter als andere und verletzen dennoch niemanden. Sie haben auch die Kraft, die Träger des Götzen trunken werden zu lassen, besonders wenn sie ihn einsetzen, um die Kraft durch Berührung von Flaschen oder ähnlichen auf den Inhalt der Getränke zu übertragen.

  • theoretisches/diskussionsvermeider.txt
  • Zuletzt geändert: 2022-06-29 20:00
  • von Falke